Strohbau-Projekte

CLUB 99 – Strohballenhaus – SIEBENLINDEN

Eckdaten

Ort:Poppau Fertigstellung:2004 Bauweise:Rundholztragwerk mit davor stehender, lehmverputzter Strohballenwand http://www.siebenlinden.de Entwurf & Planung:Björn Meenen, Martin Stengel, Silke Hagmaier Baukosten:6000,- €
Eigenleistung:hochBesichtigung:Nein Pressebilder:Nein
Überbaute Fläche:75m2 Kategorien: Holzständerbau, Strohballenbau DE,

BAUPROZESS

Bauweise: 2-geschossiges Wohnhaus mit innenliegendem Rundholztragwerk und davor stehender, lehmverputzter Strohballenwand. Maschinenfreie Handbaustelle, keine industriellen Baustoffe, teilweise Einsatz von Recyclingmaterialien.
Ausführung: Eigenleistung und Helfer. Baukosten: ca. 6000 Euro und 14000 Std.
HERSELLUNG Es handelt sich um ein Rundholzständerwerk mit außen davor stehender Strohballenwand als Raumabschluss und Dämmebene. Das Haus steht auf 24 Einzelfundamenten aus recycelten Natursteinquadern bzw. Eichen, 40 cm bis 60 cm über Geländeoberkante (bis Unterkante Unterzüge). Die beiden unteren Balkenlagen (2 mal 4 durchlaufende Unterzüge) sind Eichenrundhölzer, die als bereits totgestandene Bäume gefällt wurden. Darüber wird ein Fachwerk aus selbst geschlagenen und behauenen Kiefernstämmen errichtet (Mondphasenholz aus dem Winter 99/2000), die mit handwerklichen Holzverbindungen und in den vier Hausecken mit Zugeisen entsprechend den statischen Anforderungen miteinander verbunden werden. Die Zahl der Stützen, Streben und insbesondere Riegel wurde möglichst gering gehalten, die Innenräume sind durch den Einbau einer sogenannten Dippelbaumdecke und Hängewerken im wesentlichen frei von Stützen. Nach der Errichtung der Fachwerkkonstruktion und der Deckung des Daches, werden als gedämmte Wand Strohballen (0,35 x 0,40 x 1,00 m, liegend) auf die auskragende Fußbodenbalkenlage um das gesamte Fachwerk herumgebaut, komprimiert, mit der Rundholzkonstruktion verbunden und luftdicht von innen und außen mehrlagig mit Lehm verputzt. Die Strohballenwand ist in sich mit Holzleitern und Holzstäben ausgesteift und in Abständen von 90 cm mit dem Fachwerk verbunden. Dies dient der Aussteifung der Wände und vor allem der Übertragung der Windkräfte auf das Fachwerk – so ist auch eine Bedingung aus der Baustoff-Zustimmung. Durch einen Abstand von 5 bis 10 cm zwischen Rundholzkonstruktion und Strohballen wird das Erstellen und Instandhalten des Innenputzes (Luftdichtungsebene!) ermöglicht. Das Rundholzständerwerk steht also mit einigen Zentimetern Abstand innen vor der Strohballendämmung = Außenwand. Der Erdgeschoss-Fußbodenaufbau ist von unten nach oben: Unterzüge, Beplankung aus geschälten Kiefern-Rundhölzern, Lehmschlag, eine Lage Strohballen liegend, Stampflehmschicht (armiert mit dünnen Hölzern, Langstroh o.ä.?), Oberfläche Lehm und teilweise Bodenkacheln. Als Decke zum Obergeschoss wird die oben erwähnte Dippelbaumdecke eingezogen, die aus miteinander verdübelten Balken besteht, die durch diese Verbindung als horizontale Aussteifung des Hauses wirken und sich gegenseitig unterstützen. Der weitere Aufbau mit Trittschalldämmung ist noch unklar. Die Decke über dem Obergeschoss wird wiederum mit liegenden Strohballen gedämmt. Diese Dämmebene geht an den Dachschrägen zum Innenraum in eine unter die Sparren gehängte Strohballendämmung über. Der Dachraum über dem OG ist nicht nutzbar. Die Fenster und Türen werden an in der Strohballenwand liegende dicke Bohlen als Stürze von unten angeschraubt und seitlich mit zwischen den Strohballen liegenden Hölzern verbunden – wir verzichten also auf die Herstellung von materialintensiven Fensterkisten. Anzahl, Größe und Form der Fenster richten sich nach dem vorhandenen Recyclingmaterial und den nötigen Stützen und Streben. Da wir Niedrigenergiestandard anstreben, finden sich im Norden nur kleine Lüftungsfenster, der größte Fensterflächenanteil wendet sich der Sonne im Süden zu. Die Speisekammer ist bewusst innerhalb der Dämmung untergebracht, zum beheizten Wohnraum aber leicht gedämmt und durch ein Fenster nach außen in der Temperatur regelbar. Desweiteren wird ein kleines Bad mit Kompost-Toilette eingebaut. Das Erdgeschoss ist über eine Treppe unter dem weit heruntergezogenen Dach im Norden zugänglich, zusätzlich saisonal über einen Sommereingang nach Süden aus der Küche heraus. Der Schornstein ruht auf einem eigenen Fundament und durchdringt alle horizontalen Ebenen, steht also nicht außerhalb im Kalten.

BAUBESCHREIBUNG

Gründung/UG
Einzelfundamente aus recycelten Natursteinblöcken;
Fußboden: Strohballen- Dämmung, Lehm mit sehr hohem Faseranteil, Hobeldiele, Fliesen und Lehmboden.

Wandaufbau
Geschälte Kiefernstämme als Stützen im Abstand von 2,4m , davor kleine Hochdruckballen (bxhxl 0,47×0,30×0,8m), innen 3-5cm Lehmputz, aussen 3-5cm Lehmputz, Lehmputze sehr stark faserhaltig, Oberputz außen mit Mehlpuddingzuschlag und geringem Faseranteil;
Innenausbau: Innenwände aus Strohlehm, Strohwickeln und Lehmsteinen zum Teil verputzt;
Feuchteschutz: Dampfdiffusionsoffene Konstruktion; Luftdichtigkeit durch Rissevermeidung;
Wetterschutz: hoher Dachüberstand und Zusatz von Mehlpudding im Außenputz.

Dachkonstruktion
Pfettendach in Kombination mit Sprengwerk, zum Teil strohballengedämmt, Sparren aus geschälten Kiefernstämmen und recycelten Fichtenbalken, Biberschwanzziegel.